PRESSESPIEGEL

DIE ZÜNDHOLZFRAU / 2025

Beate Ambroselli (l.) und Christin Bokelmann (r.) prüfen, ob die Kostüme der Streichholzfabrik-Arbeiter schon richtig sitzen.
Foto: Susanne Ehrlich

WESER KURIER / VERDENER NACHRICHTEN, 06.02.25

Verstärkung für die Schneiderei gesucht 

Die Bremer Modedesignerin Christin Bokelmann ist die neue künstlerische Leitung der Kostümwerkstatt. Warum die Arbeit dort so erfüllend ist. 

von Susanne Ehrlich

Die "Domi"-Familie hat Zuwachs bekom­men: Die Bremer Modedesignerin Christin Bokelmann hat die künstleri­sche Leitung der Kostümwerkstatt über­nommen. Sie bringt nicht nur eine Fülle von Erfahrungen aus ihrem eigenen Modeatelier und aus Präsentations-Auf­trägen internationaler Modelabels, son­dern auch eine langjährige Leidenschaft für die Theater-Kostüm-Bildnerei mit. "Mit Hans König, dem künstlerischen Leiter und Regisseur der Domfestspiele, habe ich in meh­reren Kinder- und Jugendtheaterprojek­ten zusammengearbeitet, und er hat mich für diese Produktion empfohlen."

Im Herbst fuhr Volker Schwennen zu einem ersten Treffen mit ihr: "Wir mussten ja erstmal schauen, ob wir zueinander passen", feixt der Pro­duktionsleiter. Es sei wichtig, dass zwischen den Mit­wirkenden eines solchen Projekts Sym­pathie bestehe. Und Bokelmann bestätigt: "Für mich sind nicht nur in der Theaterarbeit, sondern bei allem was ich tue, Begegnung auf Augenhöhe und gegenseitiger Respekt das A und O." Davon konnte sich Schwennen, für den genau diese Dinge auch das Credo der Domfestspiel-Arbeit sind, bereits überzeugen: "Christin hat oft in sozio-kulturellen Projekten mitge­wirkt und ist es gewohnt, mit Menschen zu arbeiten."

Mode der Gründerjahre

Das Konzept für die Auswahl und Er­stellung der Kostüme entsteht natürlich in Absprache mit der Regie. "Aber wenn sich im Laufe der Proben die Figuren immer weiter entwickeln, kann es immer noch zu Veränderungen kommen", weiß Schwennen. "Wir arbeiten hier ja hauptsächlich mit Laien, und mir ist es wichtig, dass sie sich in ihren Kostümen wohl fühlen. Wenn da also ein Problem auftritt, nehme ich das sehr ernst, und wir suchen gemeinsam nach einer Lösung", verspricht Bokelmann. Noch sei sie allerdings dabei, alle richtig kennen zu lernen. Die Kostüm-Künstlerin, die über Jahre mit Modefotografen großer Labels durch die Welt gereist ist, um ganze Kollektionen ins rechte Licht zu rücken, ist prädesti­niert für die neue Aufgabe: "In meinem eigenen Atelier habe ich zum Beispiel alte Ar­mee-Kleidung und Herren-Garderobe in Damenkleider umgewandelt. Das macht mir großen Spaß, und außerdem liebe ich die Arbeit mit Menschen."

Mit der Mode der Gründerjahre hat sich Bokelmann intensiv auseinandergesetzt: "Das war die Zeit, wo die Damen sich langsam aus dem Korsett befreiten." In dieser Epoche habe sich das Frauenbild ganz neu entwickelt: "Frauen des Bür­gertums gewannen an Freiheit. Sie durf­ten nun auch berufstätig sein, und anders als für die die Frauen der Arbeiterschicht war das ein Privileg und ein Anfang der Emanzipation."

Gemeinsamkeiten verbinden

Auch Schwennen liebt es, solchen Din­gen nachzuspüren: "Bei jeder Produktion muss man sich mit einer Fülle ge­schichtlicher und gesellschaftlicher The­men auseinandersetzen. Das ist im­mer wieder spannend."

Mit Beate Ambroselli, die bis zu den Domfestspielen 2022 den künstlerischen Bereich der Schneiderei geleitet hat, ver­steht sich Christin Bokelmann auf Anhieb präch­tig: Die über 80-Jährige hatte seinerzeit als Modedesign-Studentin der Hochschule für Künste in Bremen dieselbe Professorin, bei der auch Bokelmann zu Beginn ihres Studi­ums noch Kurse belegt hatte: "Das war ganz schön verrückt, dass wir beide bei ihr gelernt haben, obwohl ich so viele Jahre später studiert habe", findet Bo­kelmann, und Ambroselli setzt hinzu: "Als wir feststellten, dass wir sie beide kannten, gab es viel zu erzählen."

Beate Ambroselli ist froh, dass sie nach 27 Jah­ren die Verantwortung für die künstleri­sche Gestaltung der Kostüme abgeben kann: "Ich bin ja damals durch Dieter Jorschik zu den Domfestspielen gekom­men, für den ich auch schon in Jever ge­arbeitet hatte." Er habe dringend fähige Schneiderinnen gebraucht: "Alle hohen Damen und Herren der Stadt wollten gerne mitspielen und natürlich schön aussehen." Eine von ihnen sei Re­gine Meyer-Bolte gewesen, sie habe da­für gesorgt, dass Marga Prange und llse Rippe mit ins Team kamen. "Da waren wir schon drei", erinnert sich Prange. Damals haben wir die Kleider noch auf dem Dachboden der ehemali­gen Volkshochschule gelagert."

Wie ein Bazillus

Im Nä­herinnen-Team habe es über die Jahre viele neue Gesichter gegeben, andere seien ausgeschieden. "Nur Beate und ich sind von Anfang an dabei." Das schweißt zusammen, die beiden Urge­steine der Kostümwerkstatt wurden gute Freundinnen. Ambroselli möchte auch weiterhin Theaterluft atmen, aber nur noch in unterstützender Funktion. Auch Prange hat sich jedesmal vorgenommen, beim nächs­ten Mal kürzer zu treten. "Aber mit den Domfestspielen ist das wie mit einem Bazillus. Wenn der einen überfällt, dann kann man nichts mehr dagegen machen."

Auch Ulrike Specke­ter, Meike Heller und Kathrin Ellmers, sämtlich noch berufstätig, können sich dem Bazillus nicht entziehen und sind mit Feuereifer dabei. Doch Volker Schwennen und sein Kostümwerkstatt-Team hoffen, dass sich noch mehr Menschen infizie­ren: "Wir suchen gelernte Schneiderin­nen, aber auch Hobby-Näherin­nen, die Lust haben, die Domfestspiele zu unterstützen. Das ist mit so viel Ge­meinschaft und Austausch verbunden; man ist Teil des Teams und Teil des Er­folgs." Und natürlich seien auch Männer willkommen, die mit der Nadel umgehen können.

Gerade ist übrigens eine Wagenladung Kostüme aus dem Bremer Theater ein­getroffen: Zeit für die allerersten Anpro­ben der Domfestspiel-Saison 2025.

WESER KURIER / VERDENER NACHRICHTEN, 21.02.25

Eine Affäre, die alles verändert

Was passiert, wenn der Ehemann gemeinsam mit der Ehefrau auf der Bühne steht, erfährt das Publikum bei den diesjährigen Domfestspielen. Für welche Bereiche noch überall helfende Hände gesucht werden. 

von Susanne Ehrlich

 Die Domfestspiele 2025 erzählen weder von mittelalterlichem Aberglauben noch von barocker Macht und Pracht. Hans Königs neues Stück ist viel näher in unsere Zeit gerückt und doch bereits ein Stück fast vergessener Stadtgeschichte. "Die Zündholzfrau" spielt im Jahr 1878 und handelt von schillernden Theaterwelten, dekadentem Reichtum und seiner Kehrseite, dem Elend der Arbeiterschaft in den Verdener Fabriken.

Die Geschichte um die unerhörte Affäre eines erfolgreichen Theaterchefs und Unternehmers mit einer Arbeiterin seiner Streichholzfabrik steht im Spannungsfeld zwischen dem aufstrebenden Unternehmertum der Kaiserzeit und dem wachsenden Selbstbewusstsein der Arbeiterschaft, die in Verden und anderswo beginnt, gegen politische Unterdrückung und Ausbeutung zu rebellieren. Auch Bismarcks Sozialistengesetz, das jeden Widerstand unerbittlich zu bestrafen droht, kann die junge Arbeiterführerin Clara Breden und ihren Bruder Otto nicht davon abhalten, den Widerstand in der Zündholzfabrik zu organisieren und gegen das entrechtende Menschenbild der Klassengesellschaft zu kämpfen.

Es fliegen die Funken

Der Verdener Fabrikbesitzer Willibert Stendel ist zu immer größerem Wohlstand und Einfluss gelangt, obwohl er eigentlich ein Feingeist ist und eine große Leidenschaft für das Theater hegt. Als Nachfolger seines überaus autoritären Vaters leidet er bis heute wegen dessen brutaler Verächtlichkeit unter großen Ängsten und versucht, seine regelmäßigen Panikattacken so gut wie möglich zu verbergen.

Beim Würfelspiel gewinnt Stendel einem Theaterbesitzer seine Spielstätte ab, und gemeinsam mit seiner oberflächlichen und eitlen Verlobten Eugenia fantasiert er fortan von Größe und Ruhm und beginnt, Künstler von Rang zu engagieren – Verden erlebt einen Theaterboom.

Für die Ereignisse in seiner Fabrik bringt er nur noch geringes Interesse auf, bis er die junge Arbeiterin Clara kennenlernt und von ihrem Engagement und ihrer Leidenschaft fasziniert ist. Die schöne junge Frau sprüht Funken – sie verkörpert das genaue Gegenteil seiner berechnenden Verlobten, deren Träume und Visionen sich einzig auf den weiteren sozialen Aufstieg richten. Und plötzlich wird Williberts Leben und Handeln völlig auf den Kopf gestellt. Clara und er beginnen heimlich eine leidenschaftliche Liebesaffäre und lösen damit eine Kette turbulenter Ereignisse aus.

Eifersucht, Machtkämpfe, Intrigen und Verrat sind Zutaten dieser spannenden Geschichte aus einer Zeit, die, wie Hans König es formuliert, "die Weichen zu unserer heutigen Wirtschaft und Gesellschaft gestellt hat".

Ehefrau als Bühnenpartnerin

Der Bremer Schauspieler Andreas Brendel spielt den übersensiblen, verletzlichen und nur nach außen souverän auftretenden Willibert, der sich noch immer nicht richtig vom Einfluss seiner Mutter lösen kann. Die für die Rolle der Klara Breden vorgesehene Schauspielerin Paula Clausen musste aus gesundheitlichen Gründen aus der Produktion ausscheiden. Dadurch entstand die besonders reizvolle Situation, dass Brendel mit seiner eigenen Ehefrau das Bühnen-Liebespaar spielen wird: Vania Brendel, deren Gesicht vielen Zuschauern aus zahlreichen Fernsehproduktionen bekannt sein dürfte, ist für sie eingesprungen: Zuerst ganz gegen den eigenen Stolz und Willen, dann immer leidenschaftlicher verliebt sich Clara in den vielschichtigen, im Grunde seines Herzens so menschlichen und aufrichtigen Unternehmer.

Gebannt haben die ”Domis” Regisseur Hans König (stehend) im vergangenen Herbst bei der Vorbesprechung in Intschede zugehört. Foto: FOCKE STRANGMANN

WESER KURIER / VERDENER NACHRICHTEN, 14.02.25

Geldsegen zum Probenstart 

Festspiele von Bürgern für Bürger: Pünktlich zum Start der Proben können sich die "Domis" über Leader-Fördermittel freuen. Auch auf das Publikum wartet eine schöne Überraschung.

von Susanne Ehrlich

Das ist der Startschuss: Volker Schwen­nen, Produktionsleiter der Verdener Domfestspiele 2025, hält die Bewilligung für eine För­derung aus dem europäischen Leader-Programm in den Händen. Damit wurde der sozio-kulturelle Anspruch der Dom­festspiele nun von höchster Stelle ge­würdigt: 90.000 Euro stehen für die Probenarbeit zum neuen Stück "Die Zündholzfrau" zur Verfügung.

Gerade der sozio-kulturelle Aspekt ist neben der hohen Professionalität der Aufführungen, die in jeder Saison über 10.000 Menschen in die Allerstadt locken, das zweite Stand­bein der Domfestspiel-Idee. "Denn das ist ja das Besondere an unserer Produk­tion", betont Schwennen, "dass wir unsere Darstellerinnen und Darsteller ausbilden, sodass sie davon auch selbst einen großen Gewinn haben. Sie bekommen pro­fessionellen Schauspielunterricht, eben­so Unterricht in Tanz und Gesang." Während der Probenarbeit bilde sich eine soziale Gemeinschaft aus, in der je­der Einzelne wichtig und einzigartig sei. "All unsere Darstellerinnen und Darsteller erfahren hier große Wertschätzung."

Bühne stärkt Selbstvertrauen

Vor allem wer noch nie zuvor auf einer Bühne gestanden habe, gewinne bei den Verdener Domfestspielen ein ganz neues Selbstvertrauen. "Die Leute blühen während der Proben richtig auf", hat Schwennen beobachtet. Auch in diesem Jahr sind wieder viele Neue dabei. Berufliche oder familiäre Veränderun­gen seien Gründe, warum manch er­fahrener "Domi" nicht dabei bleiben kön­ne. "Aber eine Begründung hab ich noch niemals gehört, und die heißt: 'Das macht mir keinen Spaß mehr'."

Bereits im Juli 1998 hatte sich Stefan Kaplon, Inspizient der ersten Dom­festspiele und damals noch stellvertre­tender Leiter der Verdener Stadtbibliothek, direkt vor der Premiere gegenüber den Verde­ner Nachrichten begeistert geäußert: "Da agieren hoch motivierte Leute, die mit großem Spaß dabei sind." Diese Beo­bachtung kann Volker Schwennen nur unterstreichen: "Das ist bis heute so. Es ist immer eine große Freude, die Begeisterung der Domi-Ge­meinschaft zu erleben, und sie ist auch ein wesentlicher Faktor für unseren Er­folg."

König hält das Zepter in der Hand

Aus der Taufe gehoben wurden die Domfestspiele 1998 mit dem Stück "Das Geheimnis des Bischofs von Verden" unter Regie von Dieter Jorschik, das im Jahr 2000 wiederholt wurde. 2003 und 2005 folgte "Liebesleid und Mauerstreit" unter Regie von Gabriel Reinking und 2008 der "Raub des Domschatzes" mit Ralph Oehme als Regisseur.

Seit 2011 hat Hans König das Zepter in der Hand. Sein Stück "Der steinerne Mann" hatte alle so begeistert, dass sie eine Fortsetzung der Zusammen­arbeit mit dem Bremer Autor und Regis­seur wünschten. "Das geheime Attentat" (2014), "Der brennende Mönch" (2017) und schließlich "Die rebellische Hexe" (2021) entstanden unter seiner Regie und stammen auch aus seiner Feder.

Seit der Uraufführung des "Bischofs von Verden" haben weit über 1000 Menschen auf und hinter der Bühne den besonderen Charakter der Festspiele mit geprägt. Rund 100.000 Besucher haben die Aufführungen gesehen und über 155 Mitglieder des Domfestspiel-Vereins sorgen auch zwischen den Produk­tionen für Kontinuität.

Gestiegene Kosten

Das neue Stück "Die Zündholzfrau" spielt in der Blütezeit der Industrialisie­rung im Jahr 1878. Es werden über 100 Darsteller auf der Bühne stehen, auch einige professionelle und semi-pro­fessi­onelle Darsteller sind wieder dabei.

Die Stadt Verden beteiligt sich mit 70.000 Euro an der Produktion, die, wie Schwennen schätzt, rund eine halbe Mil­lion Euro kosten wird. "Auch für uns ist ja al­les teurer geworden", umreißt er die fi­nanzielle Situation: "Wir müssen von den Tribünen über Zelte und Toilet­ten­anlagen bis zu den Wagen für Gar­derobe und Requisiten alles mieten. Auch auf diesem Sektor sind die Kosten in den vergangenen Jahren explodiert." Auch neue Kostüme würden benötigt: "Das Stück spielt in der Gründerzeit, die Kostüme aus Mittelalter und Barock müssen also diesmal im Fundus liegen­ bleiben." Zum Glück gebe es eine gute Kooperation mit dem Bremer Theater, dennoch müssten viele Kostü­me und Acces­soires neu geschneidert werden.

Besonders bitter: Durch die Einstufung als "theaterähnlicher Betrieb" könne der Verein die Mehr­wertsteuer für all die Anschaffungen, Mieten und Dienstleis­tungen, die in An­spruch genommen werden müssen, nicht mehr von der Steuer absetzen. "Im Ge­genteil, das gilt sogar für zehn Jahre rückwirkend, sodass wir eine hohe Nachzahlung leisten mussten."

Stabile Eintrittspreise

Doch das kann den Verein nicht entmu­tigen. "Wir haben ja auch noch unsere Sponsoren aus der Wirtschaft, und au­ßerdem hoffen wir natürlich auf ausver­kaufte Tribünen, sodass die Eintritts­preise ein Drittel der Kosten abdecken könnten." Die Kartenpreise sind stabil geblieben, auch wenn das gar nicht so einfach zu be­werkstelligen sei: "Es sol­len ja Fest­spiele von Verdener Bürgern für Verde­ner Bürger sein, und jeder soll sich den Eintritt leisten können."

Das Bühnenensemble ist pünktlich zum Probenstart vollzählig, doch was Kos­tüme, Requisite, Maske, Bühnenaufbau und all die ande­ren vielfältigen Aufga­ben betreffe, könne der Verein noch jede helfende Hand gebrauchen. Deshalb lädt Schwen­nen alle ein, die Lust haben, ein bisschen Domfestspiel-Luft zu schnup­pern: "Wer gerne näht, sich mit dem Schminken oder Frisieren auskennt oder auf dem Platz mit anpacken möchte, ist bei uns herz­lich willkom­men."

WESER KURIER / VERDENER NACHRICHTEN, 06.02.25

Stadtführungen in Verden: Geschichten von Hexen und vergangenen Zeiten

Das Verdener Stadtführungsprogramm für 2025 lädt zu spannenden Erlebnissen ein. Teilnehmer können im Zuge der besonderen Themenführungen wieder der Geschichte und den Geheimnissen der Stadt auf den Grund gehen. 

von Elena Erxleben

Von Kirchenführungen über Geschichten von Hexen bis hin zu schaurigen Touren verspricht das neue Stadtführungsprogramm der Verdener Tourist-Information auch für 2025 abwechslungsreiche Erlebnisse. Zu den Highlights des Jahres zählen wieder die sogenannten "besonderen" Themenführungen sowie Führungen zu den Domfestspielen.

Die neue Broschüre enthält eine Übersicht aller öffentlichen Stadtführungen. Touristen und Verdener finden diese in der Tourist-Information, Große Straße 40, lässt Annkathrin Sommer von der Tourist-Information wissen. Verdens Stadtführer laden dazu ein, die Allerstadt durch Geschichten, Kuriositäten und Einblicke in vergangene Epochen von seiner lebendigen und geheimnisvollen Seite zu entdecken. Interessierte können sich im Internet unter www.verden.de/stadtfuehrungen, unter der Rufnummer 0 42 31/ 1 23 45 oder mit einer E-Mail an touristik@verden.de für die Angebote anmelden.
"Besondere" Stadtführungen 2025

Ganzjährig werden jeden zweiten und vierten Sonntag im Monat die Führungen aus der Reihe der „besonderen Stadtführungen“ angeboten. Besucher können etwa die Geheimnisse Verdener Kirchen, die Geschichten bedeutender Frauen oder die Hintergründe zu alten Straßennamen entdecken, heißt es in der Ankündigung. Die Buchung der Themenführungen ist für Kleingruppen, Paare und auch für Einzelpersonen möglich. Die Teilnahme kostet jeweils neuen Euro, ermäßigt sechs Euro. Alle Führungen starten um 15 Uhr.

Kreiszeitung, 22.10.24

Domfestspiele 2025: Das erste Treffen für „Die Zündholzfrau“ weckt Vorfreude bei den Darstellern.

Verden – Noch 276 Tage bis zur Premiere von „Die Zündholzfrau“ der Domfestspiele, die vom 24. Juli bis 9. August stattfinden werden. Am Sonntag hat der Vorsitzende des Festspielvereins, Ralf Böse, erstmals alle aktiven „Domis“ in der Probenhalle in Intschede begrüßt. Die Vorfreude auf das Spiel ist wieder da, was auch der Autor und Regisseur Hans König betonte.

Christel Niemann

Von ihm bekamen die zukünftigen Festspieler das Projekt im Detail vorgestellt. Auch die Abläufe der nächsten Monate wurden erläutert und die Rollenverteilung bekannt gegeben. Die Proben sollen im Februar beginnen. „Ich selbst freue mich ebenso auf den Probenstart. Auch wenn ich die Domfestspiele bereits zum fünften Mal inszeniere, ist es jedes Mal eine neue Herausforderung, ein Stück auf die Freilichtbühne am Dom zu bringen“, so König. Sein Ziel: Er möchte den Theaterstoff derart umsetzen, dass er sowohl Unterhaltungswert als auch Tiefgang besitzt. König: „Es soll ein großes Spektakel werden, das die ganze inhaltliche Wucht natürlich auch über die vielen Menschen transportiert, die das Stück auf die Freilichtbühne bringen.“

Darsteller gibt es diesmal so viele wie noch in keiner Festspielzeit. Gelistet sind die Namen von 105 Akteuren – 80 Frauen und 25 Männer. Und alle fiebern dem Start der Proben entgegen. Traditionell wird das Laien-Ensemble durch mehrere Schauspielprofis verstärkt. Franziska Mencz, Bernd Maas und Uwe Pekau haben bereits mehrmals mitgewirkt, während Paula Clausen und Andreas Prendel erstmals die Profiriege ergänzen.
Vorverkauf startet Ende November

König räumt ein, dass auch er am liebsten gleich loslegen würde. „,Die rebellische Hexe' im Festspieljahr 2022 haben wir allein in dieser Halle 97 Mal geprobt. Inspirativ habe ich mir kürzlich die Spielfläche am Dom noch einmal angesehen. Irgendwie war es seltsam, vor der steinernen Kulisse des Doms zu stehen ohne das ganze Drumherum, das im Aufführungszeitraum die Atmosphäre ausmacht. Da fragt man sich schon, wie es werden soll.“

Erfreut zeigte sich der künstlerische Leiter noch darüber, dass neben Hiltrud Stampa-Wrigge (künstlerisches Betriebsbüro), Birgit Scheibe (Regieassistenz) und Volker Schwennen (Management, Produktionsleitung) auch Hennig Diers wieder seine Beteiligung zugesagt hat. König: „Diers wird zum zweiten Mal das Bühnenbild verantworten. Während der letzten Domfestspiele haben wir sehr gut zusammengearbeitet. Wir zwei, das passt, und ich erinnere mich an gutes und konstruktives Miteinander. Diers ist ein guter Handwerker, aber vor allem ist er ein wunderbarer Künstler, was man auch in seinen Bühnenbildern spürt.“

Wie Volker Schwennen informiert, wird der Kartenvorverkauf Ende November über Nordwest-Ticket starten. Außerdem werden noch Mitwirkende für den Bereich der Werkstätten, für Aufbau, Kostüme und Maske gesucht. Wer also Lust auf spannende Wochen im Sommer hat und sich in dem neuen Stück engagieren möchte, kann sich bereits jetzt melden. 

WESER KURIER, 21.10.24

Im neuen Stück geht es um einen Zündholz-Fabrikanten

Eine Zündholzfabrik und eine Gruppe von Arbeitern, die sich gegen ihren Vorgesetzten auflehnen, stehen bei den Domfestspielen 2025 im Mittelpunkt. Die Vorbereitungen für das Stück laufen bereits auf Hochtouren. 

von Susanne Ehrlich

Endlich ist es wieder so weit: Das Domfest-Ensemble und seine riesige Fangemeinde können anfangen, sich auf den Sommer 2025 zu freuen. Beim Auftakttreffen in der Probenhalle des Sportvereins in Intschede gab es nicht nur ein freudiges Wiedersehen mit den vertrauten Domis, sondern auch jede Menge neue Gesichter, die sich ganz offensichtlich sofort mit dem Domfestspiel-Virus infizierten. Man sah den Funken direkt überspringen.

Zwischen der "Rebellischen Hexe" und dem neuen Stück "Die Zündholzfrau" liegt ein Vierteljahrtausend Stadtgeschichte. Es dreht sich um den Verdener Unternehmer Willibert Stendel, Inhaber einer Zündholz- und einer Tütenfabrik sowie Theater- und Verlagsinhaber. Es handelt im Jahr 1878 auf dem Höhepunkt der Industrialisierung und wird vom 25. Juli bis 9. August 2025 über die Bühne gehen.

Rund 150 Mitwirkende

Nicht weniger als 80 Frauen und 35 Männer werden in diesem Jahr mitspielen. Ungefähr 45 Prozent von ihnen sind zum ersten Mal dabei. Hinzu kommen die Menschen hinter der Bühne für Auf- und Abbau, Bühnentechnik und Requisite, Kostümschneiderei, Maske und Frisuren. So kommt die Domi-Gemeinde in diesem Jahr auf die stolze Zahl von mindestens 150 Mitwirkenden.
"Es ist eine tolle Ehre, das mit euch machen zu dürfen", ruft Autor und Regisseur Hans König seinem Ensemble zu, über dessen stattliche Größe er sich gar keine Sorgen macht: "Wir hatten gar nicht die Absicht, so viel mehr Aktive zu haben als 2022. Das ist einfach passiert, weil wir gar keine zahlenmäßige Beschränkung für die Bewerbungen hatten." Dass so viele Menschen dabei sein wollen, sei einfach großartig, und genug Platz gebe es schließlich auf der Freilichtbühne.
Beim Auftakttreffen erklärt Regisseur Hans König, was die Beteiligten in den kommenden Monaten erwartet.

"Alle sind gleich wichtig"

Die Rollenverteilung braucht ihre Zeit. Jeder und jede der Anwesenden wird namentlich aufgerufen. "Alle sind gleich wichtig", heißt die Devise der Domfestpiel-Leitung. In den Hauptrollen agieren der Bremer Schauspieler Andreas Brendel als Willibald und seine Kollegin Paula Clausen als Arbeiterin Clara Breden, die gemeinsam mit ihrem Bruder den Protest der Arbeiterschaft anführt und sich ganz wider Willen in den Unternehmer verliebt. Franziska Mencz spielt die Rolle der Eugenia, der überehrgeizigen Verlobten Willibalds. Bernd Maas ist als Claras Bruder Otto ein engagierter Arbeiterführer. Auch Jörg Outzen, Björn Emigholz, Uwe Pekau, Jessica Coels und viele andere bekannte Gesichter sind wieder dabei, und als allerjüngster Domi steht Ilse Schuberts neunjähriger Enkel Flemming Blohme auf der Bühne, der in der Rückblende Willibald Stendel als Kind verkörpert.

Auch diesmal gibt es wieder Musik und Tanz. Eine Reihe junger Frauen muss eine Tanzchoreografie einstudieren, und nicht nur das: "Ihr müsst alle Walzer tanzen", kündigt König an, und das gesamte Ensemble wird auch wieder singen.

Suche nach helfenden Händen

Gar nicht genug kriegen können Hans König und Produktionsleiter Volker Schwennen vom Backstage-Team: "Wir können noch viele weitere helfende Hände gebrauchen", lautet Schwennens Appell. Alle, die Lust haben, hinter der Bühne mitzuwirken, sollen sich rasch über den Button "Mitmachen" auf der Internetseite der Domfestspiele melden.

Mit dem Bühnenbild hat es dieses Mal eine besondere Bewandtnis. Bühnenbildner Henning Diers zeigt ein Modell der Bühne und erklärt: "Die Fabrik und der Salon Willibald Stendels werden erst im Laufe des Stückes immer mehr konkretisiert und bemöbelt." Als Beispiele zeigt er Fensterrahmen und andere Details, die er ins Modell einfügt: "Wir erleben, dass Dinge nicht einfach so da sind, sondern von Menschen gemacht werden." Einige Elemente sollen vor den Augen des Publikums entstehen und an ihren Platz gebracht werden. Es gebe auch eine sehr hohe Bühnenebene, auf ihr spielen die Akteure direkt vor dem Publikum. Ob denn dann überhaupt genug Platz für Pferde sei, wird er gefragt. "Wir haben diesmal keine Pferde, sondern nur ein Automobil", antwortet Diers.

Besondere Atmosphäre

Nun ruft König alle Mitwirkenden in die Mitte. Das Lied "Die Gedanken sind frei" wird im Stück eine wichtige Rolle spielen. Es wird gemeinsam angestimmt. Nachdenklich zögernd, dann laut und kämpferisch – kurz wird der inhaltliche Zusammenhang erklärt, und schon sind alle mitten drin. "Man merkt sofort den Spirit", freut sich Requisiteurin Ilse Schubert. "Diese Aufregung, diese besondere Atmosphäre – die Vorfreude fängt schon an." Auch Regieassistentin Birgit Scheibe ist begeistert: "Man merkt, dass sie alle große Lust haben. Sie brennen jetzt schon, obwohl die Proben erst im Februar beginnen."

Nun kommt eine Spielszene: Alle Mitwirkenden müssen den Saal verlassen und ihn dann wieder so betreten, als sähen sie ihn zum ersten Mal, als sei er ein Gefängnis und berge etwas Bedrohliches. Und all die vielen Menschen lösen nun die Aufgabe auf ihre eigene persönliche Art, lassen ahnen, welch große charakterliche Vielfalt, Kreativität und Spielfreude nun endlich wieder zum Einsatz kommen wird. Und als nun noch einmal das Lied von der Gedankenfreiheit erklingt, sieht man sie sich alle miteinander an den Händen fassen.